Bruno Munari

Fantasia

Erfindung, Kreativität und Imagination in der visuellen Kommunikation

Übersetzt von Gernot Waldner

256 Seiten,13,5 x 21 cm
Fadengeheftete Klappenbroschur
November 2023
ISBN 978-3-85449-644-1
Lieferbar

29,00

Bruno Munari war Gestalter, Designer, Künstler – aber auch Erfinder, Bildhauer, Maler, Fotograf, Architekt, Pädagoge, Filmemacher, Lehrer und Kunstvermittler. Heute kann, ja muss er als eine der zentralen Figuren des modernen italienischen Designs gelten. Umso erstaunlicher ist es, dass er – obwohl seine Bücher in Italien zum festen Bestand des bildnerischen Kanons zählen – im deutschsprachigen Raum nach wie vor weitgehend unbekannt geblieben ist. Mit Fantasia erscheint ein zentraler Text Munaris in deutscher Übersetzung, in dem anhand von Alltags-, Design- und Kunstobjekten seine Überlegungen zu Erfindung, Kreativität und Imagination plastisch vor Augen geführt werden.

Munaris Biografie führt von seiner futuristischen Jugend zu ikonischen grafischen Arbeiten für Firmen wie Campari, Olivetti und das Verlagshaus Mondadori – gefolgt von Versuchen, gestalterische Arbeit und künstlerische Forschung zu verbinden. Programmatisch war Munaris Selbstverständnis: »Uscite dallo studio!« Verlasst Eure Ateliers, produziert nicht nur Kunst für eine wohlhabende Elite, sondern verschönert auch den Rest der Welt!
In Fantasia (Editori Laterza 1977) – seinem Pionieraufsatz der italienischen Pädagogik sowie der Kunst- und Designgeschichte, der in Italien bereits in der dreißigsten Auflage vorliegt – wird die Frage aufgeworfen, was hinter den Vermögen der Fantasie, der Kreativität und der Erfindung steckt. Wie kann die Elastizität des Denkens gefördert werden, damit es nicht in vorgegebenen Formeln stagniert? Wie kann die kindliche Kreativität gestärkt werden? Entlang dieser Fragen entwickelt Munari anhand von zahlreichen Beispielen eine visuelle Rhetorik und konkrete Techniken, um Neues zu schaffen. Was zunächst wie eine begriffliche Sortierung anhebt, wächst sich bald zu einer angewandten Theorie und Schule des Sehens aus – spielerisch verleitet der Text zur kreativen Erkundung bisher ungedachter Verbindungen. Der von Gernot Waldner ins Deutsche übertragene und kommentierte Text richtet sich nicht nur an Design- und Kunstinteressierte, sondern eignet sich auch hervorragend als Einführung in Munaris Arbeitsweise und dessen Werk. Ein Anmerkungsapparat von Jeffrey Schnapp (Harvard) erläutert die wichtigsten Bezüge und Hintergründe.

Stimmen

»In Fantasia bringt Munari die Gemeinsamkeiten der Disziplinen Kunst und Design und auch weiterer Aspekte der visuellen Kultur zuammen, die die Fähigkeiten zu Fantasie, Erfindung und Kreativität vereinen. Das Buch verfolgt einen didaktischen Ansatz, dem Prinzip vom Einfachen zum Komplexen folgend. Bewusstes Schauen, das Erkennen und Einprägen von Relationen, das Entdecken von Mustern und Traditionen, sowie die damit verbundene Entwicklung des visuellen Denkens sind es, die Innovationen ermöglichen.« (Gerrit Höfferer, BÖKWE, Juni 2024)
»Munaris demokratischer Ansatz stellt mit den Operatoren Regeln der visuellen Kommunikation bereit, die erlerent werden können und explizit die begriffliche Anschauung adressieren. Als lesefreundliche Lektüre mit zahlreichen Beispielen kann ›Fantasia‹ Kunstpädagog:innen nur wärmstens empfohlen werden.«, »Dank Gernot Waldners Übersetzung und seinem informativen Nachwort zu Munaris Wirken sowie den wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Verhältnissen im Italien der 1970er-Jahre wird Munaris visuelle Rhetorik nun auch in der deutschsprachigen Kunstpädagogik bekannter werden und verstärkt Eingang in die Praxis finden. Wir wenden nun den Operator ›verkehrte Welt‹ an, setzen uns auf die Schultern von Riesenzwergen und sehen weiter als jene, die diesen Operator vor uns erfunden haben. Ein Must-have!« (Gerrit Höfferer, BDK Mitteilungen 2/2024)