Klemens Renoldner
Die Wolken von beiden Seiten gesehen
302 Seiten,12 x 19 cm
gebunden
März 2026
ISBN 978-3-85449-697-7
Lieferbar
€25,00
Für eine TV-Dokumentation über Franz Schuberts weltweite Wirkung recherchiert der Wiener Regisseur Felix Tichy einige Wochen in Pariser Archiven. Zeit der Handlung: Frühjahr 2025. Seine Freundin Sophie hat ihn in Paris, nach einem bitteren Streit, verlassen.
Dann aber verlangt ein 22-seitiger Brief aus Brasilien Tichys ganze Aufmerksamkeit. Florian Lothar, Musiker, Hornist, ein Freund aus früheren Jahren, hat sich – so steht es zumindest in dem »in ausladender altmodischer Handschrift« verfassten Schreiben – in den brasilianischen Urwald geflüchtet und kündigt seinen Suizid an. In dem Brief bittet er Felix, die Rede bei seiner Trauerfeier zu halten. Vor Freunden und Bekannten sollen einige weitverbreitete Irrtümer seiner Lebensgeschichte korrigiert werden. Florians Brief enthält dazu die entsprechenden Instruktionen.
Eine schwere Hypothek, denn Felix hat zu vielem entgegengesetzte Erinnerungen. Zudem gibt es keine Nachrichten über Florians tatsächliches Ableben. Ist er vielleicht noch am Leben? Wo hält er sich auf? Wie kann man ihn erreichen? Wer weiß etwas über ihn? Felix schreibt Mails, führt Telefonate, trifft Weggefährten – doch Klarheit ist nicht zu gewinnen.
Klemens Renoldner veröffentlicht nach drei Bänden mit Essays und Erzählungen seinen ersten Roman bei Sonderzahl: Die Wolken von beiden Seiten gesehen. Die stringente, in wenigen Wochen ablaufende Handlung, die immer wieder von der Vergangenheit eingeholt wird und zugleich die Zukunft in den Griff bekommen möchte, wird von unterschiedlichen Textgattungen aufgebrochen: dem brasilianischen Brief, zu dem Felix manisch lesend immer wieder zurückkehrt, Mails von Freunden, hastig hingeworfenen Notizen, Traumerzählungen, vielen Gesprächen und … die Geschichte endet wie im Kino als Entwurf für ein Drehbuch:
»Da ist eine Trauergemeinde zu sehen. Ein Priester versprengt Unmengen von Weihwasser. Dann fährt die Kamera hoch. Oder haben wir das alles nur geträumt? Befinden wir uns am Amazonas? Ja, da ist ein Boot zu sehen, auf diesem endlosen Wasser zwischen grünen Wäldern … «
Über seine Arbeit am Buch schreibt der Autor auf backstageclassical.
Stimmen
»Renoldner ist ein klug komponierter und zugleich unterhaltsamer Roman gelungen.« (Sebastian Fasthuber, Falter 25/26)
»Klemens Renoldner ist mit ›Die Wolken von beiden Seiten gesehen‹ ein vielschichtiger und anregender Roman gelungen, der sich differenziert mit Freundschaft, Erinnerung und Wahrheit auseinandersetzt und zugleich die leichtfüßige Eleganz französischer Filme aufweist.« (Alexandra Millner, Die Presse/Spectrum, 18. Juli 2026)
»Der Schriftsteller Klemens Renoldner hat einen Roman mit dem Titel ›Die Wolken von beiden Seiten gesehen‹ geschrieben (…) Er trifft damit thematisch einen wichtigen Punkt: die Frage nach der ›Wahrheit‹, die in Zeiten der politischen Vereinnahmung der Medien und automatisch generierter Inhalte so oft gestellt wird. (…) ›Die Wolken von beiden Seiten gesehen‹ ist ein klug konzipierter Roman.« (Daniel Wisser, Der Standard/Album, 11. April 2026)
»Klemens Renoldners jüngster Roman ›Die Wolken von beiden Seiten gesehen‹ kreist um Facetten biographischer Fiktion und um Wahrheitsfindung und die vielen Hürden und Hindernisse, die eine solche so gut wie unmöglich machen. Dabei verbindet Renoldner musikalische Expertise mit literarischer und hat seinen Text im wahrsten Sinne des Wortes komponiert: Wie in einem (klassischen) Musikstück wird das Hauptmotiv der Spurensuche vielfach variiert und in immer wieder neuen Tonfolgen aufgegriffen.« (Sabine Dengscherz, Literaturhaus Wien, 6. Juli 2026)
»Das Motiv von Wahrheit und Fiktion, von Tod und Leben, von Traum und Wirklichkeit, Phantasmagorie und Surrealem wird in kunstvoll ausgearbeiteten Erzählstrategien ausgefaltet.« (Ferruccio delle Cave, Dolomiten/Italien, 30./31. Mai 2026)
»Klemens Renoldner gelingt es in ›Die Wolken von beiden Seiten gesehen‹, den tiefgründigen Graubereich von Wahrnehmen und Verstehen zu erkunden: wie Missverständnis in Streit und gar in Psychose oder in Krieg mündet oder wie absichtsvolles Interpretieren zu Theater oder Film wird.« (Hedwig Kainberger, Salzburger Nachrichten, 7. April 2026)


