Wolfgang Liemberger & Georg Vogt auf der Diagonale in Graz
Unter Einsatz verschiedener filmischer Formen wie Animation, Splitscreen und Fischauge gestaltet Wolfgang Liemberger und Georg Vogt das assoziative Porträt des 2021 verstorbenen Avantgardefilmemachers Ferry Radax. Gefilmt größtenteils in Monterosso, Schauplatz von Radax’ Hauptwerk Sonne halt! .
„Gefahr haben wir nie gemieden“, sagt Ferry Radax. Der Filmemacher, eine zentrale Figur des österreichischen Avantgardekinos der Sechzigerjahre, hat mit Sonne halt! das Zentralgestirn vom Himmel geschossen, Thomas Bernhard drei Tage auf einer Parkbank interviewt und nach seinem Tod 2021 ein großes Archiv hinterlassen. Noch zu Radax’ Lebzeiten begann Wolfgang Liemberger an diesem naturgemäß unorthodoxen Porträt zu arbeiten, das nun als assoziativ montiertes Werk ein vorläufiges Ende findet. Es treten u. a. auf: ein computeranimiertes schwarzes Tentakelmonster sowie Radax selbst am Strand von Monterosso, dem Drehort von Sonne halt! . Liemberger und Vogt filmen Radax beim Interview mit einem Fischaugenobjektiv, das Meer dahinter sieht aus wie eine Kugel. All das verschmilzt mit der Lyrik von Sophie Reyer zur losen Beschreibung einer künstlerischen Weltwahrnehmung des 20. Jahrhunderts, in der ein kritischer Pessimismus, die Prophezeiung vom Ende der Menschheit und das Bernhard’sche Mantra vom Untergang noch als Koketterie gelten konnten. (Anna Katharina Laggner)
