Das Verhältnis
Und weitere Studien aus dem Nachlass
Herausgegeben von Dominik Zechner
Unter dem Titel Das Verhältnis versammelt dieser Band wesentliche Texte des 2017 verstorbenen deutschen Philosophen und Literaturtheoretikers Werner Hamacher, die hier erstmals im Original erscheinen. Entstanden in den zwei Jahrzehnten zwischen den späten 1980er- und den späten 2000er-Jahren, orientieren sich diese Studien primär am Schreiben zweier Denker: Martin Heidegger und Jacques Derrida. Im Mittelpunkt steht jedoch durchgehend die Frage nach der Sprache – nicht als Kommunikationsinstrument oder Darstellungsmittel, sondern als eine Bewegung von Annäherung und Entzug, die vorenthält, was sie gibt, verfehlt, was sie intendiert, ständig unterbricht, was sie verspricht, zu präsentieren. Auf diese Weise ist Sprache keine positive Relation, sondern ein Verhältnis im emphatischen Sinne, ein Ereignis also, das sich konstitutiv zurückhält, an sich hält, sich in Verhaltenheit übt.
Wer diese Sprache verstehen will, kann sich nicht an großen Gesten, Substantiven oder substanziellen Begriffen orientieren, sondern muss sich auf Partikel, Adverbien und Präpositionen einstimmen. Etwa auf das Wort nicht, das gar kein Wort ist, sondern »ein Nicht-Wort, es ist das widersprachliche, das Gegen-Wort schlechthin, durch das jede Sprache allererst Sprache sein kann.« Die Sprache leitet sich ab aus einem Nicht, das sich selbst nicht ableiten lässt – mithin ist jedes Sprechen eingelassen zwischen sein Noch-Nicht und sein Nicht-Mehr.
Viel Platz gewährt Hamacher auch dem Verhältniswort aber, das jedes sich vollziehende Sprechen der Unterbrechung und möglichen Revision aussetzt. Konjunktion und Differenz zugleich, markiert das Aber jenen Umschlagpunkt, an dem Bedeutung sich nicht verwirklicht, sondern verschiebt. Indes liegt darin kein Fatalismus, sondern eine große Chance der Sprache: »Jede Form eines aber, ob Tat oder Thema, kann von einem anderen aber durchkreuzt werden. Aber und abermals.«
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