Udo Kawasser

Ried

96 Seiten,13,5 x 21 cm
Dezember 2019
ISBN 978-3-85449-533-8
Lieferbar

14,00

»Das Ried ist ein Geisteszustand«, denn auch eine Landschaft kann in Zeiten globaler Erwärmung ins Grübeln kommen und über ihre Biografie und die auf katastrophale Veränderungen hindeutenden Zeitläufe sinnieren. Insbesondere wenn es ums Lauteracher Ried geht, mit seinem entschiedenen Zug »zum Brüten und zum Eigenbrötlerischen«, in dessen feuchten Inneren es sowieso immer gärt.
Nach den ersten beiden Bänden Unterm Faulbaum. Aufzeichnungen aus der Au (2016) und Ache. Ein Versuch (2018) legt der Vorarlberger Autor Udo Kawasser nun den dritten Band vor, in dem er die Natur auf originelle Weise zur Sprache bringt. Dabei bedient er sich des Kunstgriffs, die eigene Biografie mit der der Landschaft zu verschränken und erschreibt sich so die Möglichkeit, einen humorvollen, aber durchaus doppelbödigen Ton anzuschlagen, der immer wieder in paradoxe Situationen führt.

So erfährt man von der Allergie des Rieds auf Gräserpollen, was es aber nicht davon abhält, bei Schlaflosigkeit seine Grashalme zu zählen, von seinen frühen Lektüren von Einstein und Che Guevara auf einer ausladenden Eiche oder seinem Ausbruch aus beengenden Verhältnissen, indem es »querfeldein« seinen Weg einschlägt: »Wer oder was riet dem Ried dazu? Erriet das Ried den Weg quer über die Felder ganz allein? Nur was tat das Ried, als es schließlich ins Ried geriet?« Es genießt beispielsweise die Freiheit, eine nackte Kuh auf der Weide zu sein, den täglichen Besuch der Ferne in Form von Wolken, die über seine Felder hinwegziehen, vielleicht sogar auf sie herabregnen, oder es schreibt sein erstes Gedicht über eine Tanne mit verdorrtem Spitz und »fragt sich, ob alle Dichter damit beginnen, über sich selbst zu schreiben.«

Leichtfüßig treibt Udo Kawasser so sein unterhaltsames Vexierspiel, in dem er die Grenzen zwischen Landschaft und Mensch verschwimmen lässt. In kurz gehalten Kapiteln erzählt er hintersinnig von prägenden Erlebnissen des Rieds und seiner selbst und schafft so Raum für eine pointierte Auseinandersetzung mit der von den Menschen verursachten Zerstörung der Natur und der eigenen Lebensgrundlagen.

Stimmen

»Udo Kawasser gelingt in seinen Büchern das Kunststück, immer wieder auf die existentielle Bedeutung, die die Natur für den Menschen hat, hinzuweisen, ohne sie dafür in irgendeiner Art überhöhen zu müssen. Man darf gespannt sein, welchen witzigen Perspektivenwechsel er im nächsten Werk vornehmen wird.« (Christian Lorenz Müller, Fixpoetry, 29. Dezember 2019)