Robert Waldl (2 Werke im Schuber)

Random Recall & Reading Identities

Foto(s) von Robert Waldl, Beiträge von Carl Aigner, Beiträge von Reinhard Bachleitner, Beiträge von Herbert Hrachovec, Interviewer Thomas Kussin, Übersetzt von Lisa Rosenblatt, Übersetzt von Susanne Watzek, Herausgegeben von Margit Zuckriegl

416 Seiten ,22,0 x 26,0 cm
Februar 2018
ISBN 978-3-85449-520-8
Lieferbar

44,00

Rading Identities:

Robert Waldl beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit den Themen rund um Bild, Abbild und Identität. In den verschiedenen Serien seines fotografischen und medialen Schaffens untersuchte er die Diskrepanz von Selbstbild und Fremdbild, von Bildtypologien und visuellen Stereotypien. Für den Fotografen ist das Mittel seines Bildschaffens, die Kamera und ihre Optik, der Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung;das fokussierte und scharfe Fotoporträt gilt allgemein als das „gelungenste“. Waldl lotet jedoch den Raum hinter den Porträts aus und bezieht die dargestellte Person in die Bildkonstruktion mit ein: Ein unscharfes Bildnis lässt Interpretationsspielraum offen, verweigert aber auch einen vordergründigen Wiedererkennungseffekt. Waldl eröffnet dem Einzelnen ein Terrain der Selbstvergewisserung, wohl wissend, wie limitiert der Raum zur eigenen Entfaltung ist, wie durchsichtig der Einzelne im Bild wird und wie kompromisslos der Mensch auf schiere Datenansammlung, etwa im genormten Passbild, reduziert werden kann.
Random Recall:
Von Vermessenheit, menschlichem Scheitern und der Begrenztheit unserer Existenz erzählen die Fotografien Robert Waldls, die sich herkömmlichen ästhetischen Kategorien verweigern. In ihrer konstitutiven Unschärfe sind sie Symptom des Mangels, des Unvermögens, des Kontrollverlusts, der Flüchtigkeit unseres Seins. Es sind Bilder, die sich dem Unbewussten und Latenten widmen, dem sich entziehenden Moment. Robert Waldl scannt die urbane Landschaft, durch die er sich bewegt, fängt aus dem Augenwinkel Gesichter und Körper ein – urban encounters nennt Waldl diese Nicht-Begegnungen, dieses Aneinandervorbeigehen, dieses Einander-Zufallen im städtischen Gewimmel. 
Zufall der Erinnerung ist eine bewegte visuelle Reise durch die Falten des Augenblicks. 

In seinem Archiv konfrontiert uns Waldl etwa anhand der fotografischen Mitarbeiter der Rassenhygieniker im „Dritten Reich“ mit dem Fotografen als Täter: „Die Rolle des Fotografen bei der Ausübung der visuellen Gewalt wurde bisher wenig beachtet.“ Des Weiteren nimmt Waldl die biometrische Erfassung des Menschen bis hin zum Irisscan in seinen Fokus. Dabei werden uns die Augen geöffnet, ohne dass der Zeigefinger im Augenwinkel erscheint. 

Mit Fotografien von Robert Waldl, Texten von Carl Aigner und Herbert Hrachovec sowie einem Interview von Thomas Kussin mit dem Künstler.