Markus Köhle im Eferdinger Gastzimmer

Markus Köhle stellt seinen 2023 bei Sonderzahl erschienen Roman „Das Dorf ist wie das Internet, es vergisst nichts“ vor.
Markus Köhle unternimmt mit viel Sprachwitz in seinem Romandebüt eine Tour de force, in der er seinen aufmerksam registrierenden Protagonisten Lukas auf seinen Zugreisen durch die Bundesländer den großen Themen unserer Zeit begegnen lässt: Deutlich zu spüren ist da das »Stadt-Land-Kluft-Schlamassel«, die sture Ignoranz gegenüber der nötigen Veränderung (»die Füße schischuhschwer, aber die Nase immer oben«), ein bestenfalls halbes Bewusstsein von Überalterung und Pflegenotstand und, natürlich, eine große Unlust, sich mit all dem ernsthaft auseinanderzusetzen.

Elisabeth von Samsonow in der Heidi Horten Collection

Mit Elisabeth von Samsonow widmet die Heidi Horten Collection einer künstlerisch-philosophischen Position eine große Soloausstellung, die sich jenseits enger disziplinärer Zuordnungen entfaltet. Erstmals wird das vielschichtige Werk von Elisabeth von Samsonow in seiner künstlerischen Bandbreite und intellektuellen Tiefe in diesem Umfang präsentiert.

Die Ausstellung ist als kraftvolle, erzählreiche Personale angelegt, als lebendiger Parcours, der frühe Arbeiten ebenso einbezieht wie aktuelle Werkgruppen. Skulpturen, Malereien, Zeichnungen, Filme sowie eine ortsspezifische Installation machen ein erstaunliches Werk erfahrbar, das sich durch performatives Denken, formale Vielfalt und eine interdisziplinäre Haltung auszeichnet.

Im Zentrum von Samsonows künstlerischer Praxis steht eine intensive Auseinandersetzung mit der Erde als Trägerin von Geschichte, Leben, Energie und kollektiver Erinnerung. Ihre Arbeiten greifen Motive aus der Kulturgeschichte auf und übersetzen diese in eine zeitgenössische Formensprache. Bewegung – physisch und psychisch – ist dabei ein zentrales Moment: Samsonows Werk überschreitet poetisch und spielerisch die von rationalen Ordnungen gezogenen Grenzen und öffnet Räume zwischen Kunst, Philosophie, Anthropologie und politischem Denken.

Eine besondere Rolle spielen skulpturale Installationen und Bilderzyklen, die narrativ um den Gaia-Mythos kreisen und grundlegende Fragen nach Ursprung, Körper, Geburt, Wert und Transformation verhandeln. Viele ihrer Holzskulpturen bestehen aus ganzen Stämmen, darunter Arbeiten aus einer tausendjährigen Linde, deren Materialität Wachstum und Zeit unmittelbar erfahrbar macht.

Samsonows Bildwelten richten sich an das kollektive Unbewusste und zwar dort, wo es die Natur berührt. Sie speisen sich aus Traumresten, experimentellen Wahrnehmungsmustern zwischen Diagrammen und archetypischen Formen und laden dazu ein, vertraute Bilder neu zu betrachten und umzudeuten. Ihre Arbeiten eröffnen Möglichkeitsräume für alternative Lesarten von Geschichte, Körperlichkeit und Gemeinschaft.

Die Ausstellung stellt zudem gezielt Bezüge zur Sammlung der Heidi Horten Collection her. Arbeiten von Egon Schiele und deutschen Expressionisten werden integriert und in Beziehung zu Samsonows langjähriger wissenschaftlicher und künstlerischer Auseinandersetzung mit diesen Positionen gesetzt. Ein eigens gestalteter Bereich für kreatives Schaffen von jungen und erwachsenen Besucher:innen ist als integraler Bestandteil der Ausstellung geplant und unterstreicht den offenen, dialogischen Charakter der Präsentation.
Kuratiert von: Rolf H. Johannsen und Hana O. O. Haas

Buchpräsentation Rudolf Burgers Kritik der Gedenkpolitik

Doron Rabinovici & Franz Schuh im Gespräch über Rudolf Burger und sein »Plädoyer für das Vergessen«
Moderation: Bernhard Kraller

2001 veröffentlichte Rudolf Burger seinen Essay Die Irrtümer der Gedenkpolitik. Das Buch enthält alle Texte und Interviews Burgers zum Themenkomplex ›Gedenkpolitik‹. Darüber hinaus wird die Diskussion für und gegen Rudolf Burgers Thesen in ihrer Gesamtheit dargestellt und durch Beiträge von Tony Judt, Omri Boehm, Alfred Noll, Peter Strasser, Franz Schuh, Lothar Höbelt und Martin Sabrow weitergeführt.

Rudolf Burger (1938–2021), 1987–2007 Professor für Philosophie (zwischendurch auch Rektor) an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zuletzt erschien: Über Gott und die Welt und die Liebe. Gespräche und Interviews (2021).

Doron Rabinovici, *1961; Autor, Historiker, Essayist. Zuletzt u.a.: Die Einstellung. Roman (2022).

Franz Schuh, *1947; Autor, Kritiker, Philosoph; zuletzt u.a.: Steckt den Sand nicht in den Kopf (2025).

Bernhard Kraller, *1953; zuletzt erschien: Franz Schuh: Blendung als Lebensform. Zur Aktualität von Elias Canetti (Hg., 2024).

Buchpräsentation »Was uns zusammenhält«

Der Autor Wolfgang Müller-Funk stellt den Band im Gespräch mit Gerhard Weinberger vor.

Es ist ein weit verbreiteter Befund, dass die westlichen Demokratien bedroht sind. Wolfgang Müller-Funk geht in seinem neu erschienenen Essay von der These aus, dass die Gefährdung der modernen Demokratien weniger von außen erfolgt, sondern sich von innen heraus vollzieht. Demokratie enthält stets Momente und Motive der Selbstauflösung (Umfragen, Plebiszit, digitale Netzwerke), die jedoch im modernen Populismus verstärkt zum Tragen kommen. Die vielfache Überforderung durch rasanten Wandel und durch die Undurchschaubarkeit technischer, medialer und ökonomischer Komplexe verschärfen die Krisenhaftigkeit, die viele Demokratien nicht nur im Westen durchlaufen. Müller-Funk verfährt in seinem Essay dialogisch und sucht das Gespräch etwa mit Denkern wie Tocqueville, Hobbes oder Tönnies, die Momente dieser fragilen Trinität des Demokratischen beleuchtet haben.

KURZBIOS zu den Dialogpartnern: 
– Wolfgang Müller-Funk, Germanist, Kulturphilosoph, Essayist, studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Spanisch in München und habilitierte sich 1993 mit einer Studie über den Essayismus. Von 2009*–2019 Professor für Kulturwissenschaften am Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Wien. Essays und Rezensionen in diversen deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften; Ausstellungskurator.
– Gerhard Weinberger hat Sprachen in Graz und Philosophie in Wien und Paris studiert. Er verfasste eine Dissertation über Levinas und Merleau-Ponty an der Universität Paris-Nanterre und war viele Jahre im diplomatischen Dienst tätig, u.a. in Peking, Bangkok und Paris, zuletzt als österreichischer Botschafter in Dakar und Tunis.

WO:
Cafe Korb – ART LOUNGE
Brandstätte 9, 1010 Wien

WANN:
Montag, 14. September 2026
EINLASS: 17.00
BEGINN 18:00

EINTRITT:
freier Eintritt

RESERVIERUNG:
Mail: Julia Lingl, julia.lingl@sonderzahl.at

Reservierung & Tickets

Klemens Renoldner in der Österreichischen Kulturvereinigung

BuchDonnersTalk
Das literarische Begegnungsformat in der Österreichischen Kulturvereinigung

„Die Wolken von beiden Seiten gesehen“ _ Klemens Renolder

Der Wiener Regisseur Felix Tichy recherchiert im Frühjahr 2025 in Pariser Archiven für eine TV-Dokumentation über Franz Schubert.
Nach einem schweren Streit verlässt ihn seine Freundin Sophie. Es geht in diesem Roman um Freundschaft und Erinnerung,
Wahrheit und Konstruktion von Lebensgeschichten, Verlust, künstlerische
Biografien und um die Unschärfe zwischen Realität und Imagination

Lesung von Cornelius Hell

Die Gedichtanthologie „Aus dem Jerusalem des Nordens“, der erste Band der neuen Reihe „Literatura Baltica“ des Mediathoughts Verlags versammelt Gedichte von 22 litauischen Dichterinnen und Dichtern. Zusammengestellt und herausgegeben von Indrė Valantinaitė setzen sie sich mit der jüdischen Vergangenheit des Landes, dem jüdischen Leben in Litauen auseinander. Mit dieser dreisprachigen Edition – Litauisch, Hebräisch und Deutsch – wird ein wichtiger Beitrag zu einer universellen Erinnerungskultur geleistet und die Schönheit litauischer Poesie einem deutschsprachigen Publikum nähergebracht. Die Übersetzung von Cornelius Hell vermittelt Klang und Rhythmus kongenial.

Gelesen wird im Beer-Hofmann Salon des Museums von dem österreichischen Litauen-Spezialisten und Übersetzer Mag. Cornelius Hell (Litauisch, Deutsch) und von Univ.-Prof. Dr. Gerhard Langer (Hebräisch, Deutsch).

Freier Eintritt!
Um Anmeldung wird gebeten:
telefonisch: +43 (0)2682 65145
per E-Mail: info@ojm.at

Johannes Schmidl bei den Wallersee Gesprächen

Freitag, 14. August – 18 Uhr
Klima_Gletscher_Schmelze
Der Energieexperte Johannes Schmidl liest aus seinem Essay »Über die Würde der Gletscher«

Was sagt uns das Schwinden der Gletscher über unser Verhältnis zur Natur? Wie hängt dieses mit unserem enormen Hunger nach Energie zusammen? Und welche Wege in eine bessere Richtung wären möglich?

Johannes Schmidl ist Energiewende-Experte und beschäftigt sich zugleich mit der Rolle von Utopien. Der Schwund der Gletscher ist für ihn ein Bild dafür, was verschwinden kann, wenn wir unsere Art zu wirtschaften und zu leben nicht ändern.
Foto: privat. Gefördert vom Land Salzburg

Alle Veranstaltungen werden als „Green Events“ durchgeführt.