Karl Sierek im Filmmuseum

9. November 2026
20.00 Buchpräsentation Wege #5

In den sechs Bänden der Buchreihe Wege. Spuren und Bahnen der Bewegung im Kino treffen Wegebauten und Bewegungsbilder aufeinander. Seit es das Kino gibt, wird das Furchen von Spuren und Legen von Bahnen durch Land- und Stadtschaften in bewegten Bildern präsentiert, reflektiert und differenziert. Eine der ältesten Fertigkeiten des Menschen, nämlich die Herstellung von Wegen vor Ort, stößt damit auf die Vorstellung von Bewegung im Bild. Dabei befruchten sich die beiden Kulturtechniken des Wegebaus und des Filmemachens wechselseitig. Ihre Bahnungen und Spurungen führen zu jenem Reichtum ästhetischer Ausdrucksformen, der uns bis heute in die Kinos lockt.
 
Der fünfte Band wendet sich der Untersuchung bahnungsabhängiger Zielbestimmtheit zu. Auf das Studium des Wo? und Wie? der Wege folgt das Interesse am Wohin?. Der erste Teil fragt nach schriftlichen Ankündigungen von Zielen wie etwa Wegweiser und Ortstafeln. Der zweite Teil wendet sich vertikalen Wegen zu: Felswände, die das Gehen auf Händen vorführen, Aufzüge und Treppenanlagen, die sich als Determinanten gesellschaftlicher Stratifizierung erweisen. Das dritte Kapitel kehrt in die Horizontale filmischer Weglichkeit zurück. Es erforscht Auswege, Umwege oder Abwege. Um eine der vielfältigen Funktionen filmischer Treppen zu diskutieren, ist ein kurzes Beispiel der Überschreibung der Eisenstein’schen Odessa-Treppe zu sehen: Odessa Crash Test (Notes on Film 09) (2014, Norbert Pfaffenbichler) unterzieht die Kinderwagen-Einstellungen einer präzisen Versuchsanordnung, welche die Kombinatorik der Vertikalitäten auf den Prüfstand stellt. (Karl Sierek)
 
In Anwesenheit von Karl Sierek und Dieter Bandhauer
 
Karl Sierek, Wege. Spuren und Bahnen der Bewegung im Kino (Bd. 5), Wien: Sonderzahl 2026

Gustav Ernst: Arbeiterkino (ÖGfL)

Der Schriftsteller Gustav Ernst begibt sich auf die Suche nach seiner Kindheit: Aufgewachsen in Favoriten, dem 10. Wiener Gemeindebezirk, wurde er im Arbeitermilieu der Nachkriegszeit groß, unter Verhältnissen, die

denkbar weit von den Standards, Wertvorstellungen und Wünschen unserer Gegenwart entfernt sind. Um sich dieses Abstands und seiner Herkunft zu vergewissern, beginnt er damit die Erinnerungssplitter an seine Jugend in Favoriten zu Papier zu bringen. Auf diese Weise entsteht kein Memoir, sondern eine Art Kopfkino: Die Szenenfolge der Erzählungen bildet ein schillerndes Prisma einer verlorenen Zeit, das die gesellschaftliche Realität der Arbeiterschicht in Österreich zwischen 1944 und 1965 erahnen lässt.

Sven Hartberger in den Kammerspielen der Josefstadt

Was sind nun Menschenrechte wert?

Menschenrechte gelten als unbezahlbar. Doch dieses Wort ist doppeldeutig: Es kann bedeuten, dass etwas unersetzlich und von unschätzbarem Wert ist. Es kann aber auch die Behauptung enthalten, dass etwas zu kostspielig geworden sei. Genau an diesem Spannungsverhältnis setzt die Gesprächsreihe „Unbezahlbar. Die Menschenrechte“ an.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 als gemeinsame Grundlage für Freiheit, Gleichheit und ein Leben in Würde verabschiedet. Heute werden ihre Grundsätze zunehmend infrage gestellt. Forderungen nach Schutz, Solidarität und gesellschaftlicher Teilhabe werden häufig gegen wirtschaftliche Interessen oder vermeintliche Sachzwänge ausgespielt. Die Vorstellung, dass Demokratie und Menschenrechte eine Belastung darstellen könnten, ist längst nicht mehr ausschließlich an den äußersten politischen Rändern zu finden. Sie ist bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen.

„Unbezahlbar.“ greift diese Entwicklung auf und schafft einen Raum für Widerspruch, Auseinandersetzung und gemeinsames Nachdenken. In vier Gesprächskonzerten werden unterschiedliche Ansprüche beleuchtet, die sich auf die Menschenrechtskonvention berufen. Zwei Abende finden in den Kammerspielen der Josefstadt statt, zwei weitere im Wiener Konzerthaus. Das Projekt verbindet gesellschaftspolitische Debatte mit musikalischer Erfahrung und führt damit zwei Ausdrucksformen zusammen, die auf unterschiedliche Weise berühren, herausfordern und neue Perspektiven eröffnen.

Durch die Abende führt Sven Hartberger, langjähriger Intendant des Klangforum Wien und gesellschaftspolitisch engagierter Autor. Er begegnet wechselnden Gesprächspartnerinnen in drei kurzen, bewusst konfrontativ angelegten Diskussionsrunden. Anschließend wird das Gespräch für das Publikum geöffnet. Die Besucherinnen sind eingeladen, Fragen zu stellen, Positionen zu prüfen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.

Musikalisch begleitet wird der gesamte Zyklus von Werken Friedrich Cerhas. Der österreichische Komponist, der 1944 im Alter von 19 Jahren unter Lebensgefahr aus der deutschen Wehrmacht desertierte, trat in seinem Leben und seinem künstlerischen Schaffen entschieden für Humanität, Demokratie und die Rechte diskriminierter Menschen ein. Seine Musik wird zum eigenständigen Bestandteil der Abende – als Resonanzraum für das Gesagte und als wohltuende Unterbrechung, wenn die Debatte besonders hitzig wird.

Sven Hartberger im Gespräch mit Franz Schellhorn Interpreten Franz Schellhorn, Gespräch Sven Hartberger, Gespräch Sidonie Forstreiter, Moderation Annette Bik, Violine Andreas Schablas, Klarinette Janna Polyzoides, Klavier Werke Friedrich Cerha Netzwerk-Fantasie Deux éclats en reflexion Acht Bagatellen für Klarinette und Klavier

Sven Hartberger im Gespräch mit Monika Köppl-Turyna
Geld oder Leben?

Interpreten
Monika Köppl-Turyna, Gespräch
Sven Hartberger, Gespräch
Sidonie Forstreiter, Moderation

PHACE, Ensemble
Ivana Pristašová Zaugg, Violine
Petra Ackermann, Viola
Roland Schueler, Violoncello

Werke
Friedrich Cerha
Neun Bagatellen für Streichtrio

„Unbezahlbar.“ ist eine Kooperation des Josefstadt Theaters mit dem Wiener Konzerthaus.

Sven Hartberger im Konzerthaus

Programm

Können wir uns die Menschenrechte noch leisten?

Im Streit begegnen sich: Bettina Emmerling, Sven Hartberger und das Publikum

Friedrich Cerha: Netzwerk-Fantasie (1988), Deux éclats en reflexion (1956), Acht Bagatellen für Klarinette und Klavier (2009)

Sven Hartberger im Konzerthaus

»Unbezahlbar. Die Menschenrechte«: So das Motto der neuen Gesprächsreihe mit Sven Hartberger, die am Montag, dem 2. November 2026, startet. Der langjährige Intendant des Klangforum Wien geht dabei in der Diskussion mit Gästen aus Kunst, Kultur und Politik der umstrittenen Frage nach, welche konkreten Ansprüche sich aus den hohen Idealen der Menschenrechte ergeben. Dazu erklingt jeweils Musik von Friedrich Cerha, der mit seinem vielfältigen Werk stets für humanitäre Werte eingetreten ist.

Beim ersten Termin erörtert Sven Hartberger mit Franz Schellhorn, dem ehemaligen Wirtschaftsjournalisten und Leiter der Denkfabrik Agenda Austria, die Frage, ob wir uns die Demokratie noch leisten können, schließlich stellt sie wirtschaftlich einen Wettbewerbsnachteil dar. Sollen wir sie also abschaffen oder vielleicht doch lieber ein wenig über den Wettbewerb als Grundlage unserer Wirtschaftsform nachdenken? Nach drei kurzen, kontroversen Gesprächsrunden auf dem Podium wird die Diskussion für das Publikum geöffnet.

02/11/26
Mo, 19.30–ca. 21.30 Uhr ∙ Schubert-Saal
Gespräch, Vortrag & Einführung Neue Musik
Unbezahlbar. Die Menschenrechte
Sven Hartberger im Gespräch mit Franz Schellhorn
€ 15,–
Tickets unter: https://konzerthaus.at/de/programm-und-karten/unbezahlbar-die-menschenrechte/64434?bpid=1674338077&nlid=1842248377&mid=1671984120&chk=iZ3JmiZAWx 

Wolfgang Müller-Funk im RadioCafe Wien

Zu Gast im Klassik-Treffpunkt ist der Kulturwissenschaftler, Essayist und Autor Wolfgang Müller-Funk. 2027 feiert Wolfgang Müller-Funk seinen 75. Geburtstag, der in Wien auch mit einem Symposium gewürdigt wird. Anlass genug für einen Blick auf ein umfangreiches publizistisches und wissenschaftliches Werk. Dazu zwei Titel, die die Bandbreite seines Schaffens zeigen: In „Crudelitas. Zwölf Kapitel einer Diskursgeschichte der Grausamkeit“ untersucht Müller-Funk die Grausamkeit als Teil der menschlichen Zivilisationsgeschichte. Sein jüngstes Buch „Was uns zusammenhält. Über Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ widmet sich den Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Mit Sabine Müller-Funk ist auch seine Frau zu Gast im Klassik-Treffpunkt. Ihr Werk als bildende Künstlerin bewegt sich zwischen Skulptur und Installation. Eine zentrale Rolle spielen Glas, Schrift und Sprache: Sie schreibt Texte in Materialien ein, zerschneidet, überlagert und verdichtet sie und beschäftigt sich dabei immer wieder mit Erinnerung, Wahrnehmung, Zeit und dem Verhältnis von Sprache und Bild. Im Gespräch erzählen Wolfgang und Sabine Müller-Funk von Büchern und Ideen, von biografischen Stationen und geistigen Weggefährten. Und vor allem von jener Musik, die für sie persönlich von Bedeutung ist.

Wolfgang Müller-Funk im Kepler Salon

KEPLER SALON EXTRA EXTERN: PEUERBACH 
MUT, TOLERANZ UND WIDERSTAND

Über die Unordnung der Welt

Die Welt erscheint selten geordnet – und doch streben Gesellschaften stets nach Ordnung. Zwischen religiösen Weltbildern, wissenschaftlichen Modellen und den algorithmischen Systemen der Gegenwart verändert sich, was wir unter Ordnung verstehen. Persönlichkeiten wie Johannes Kepler oder Georg von Peuerbach stehen für den Übergang von einer vorgegebenen zu einer gestaltbaren Weltordnung. Heute prägen ökologische, politische und technologische Umbrüche eine Zeit permanenter Veränderung, in der Ordnung immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Die Veranstaltung beleuchtet, wie Toleranz und Widerstand dabei zu zentralen kulturellen Praktiken werden und lädt dazu ein, Ordnung und Unordnung als Teil eines fortwährenden gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses zu verstehen. 

Im Gespräch mit Gästen: 
CORNELIA LEHNER 
Salonintendantin Kepler Salon 

Anmeldung erforderlich unter: communale(at)ooe.gv.at
Begrenzte Teilnehmerzahl!

Peter Rosei Symposion und Literaturfest im Kunsthaus Muerz

Konzept: Thomas Eder

Das Literaturfest und Symposium ist Peter Rosei aus Anlass seines 80. Geburtstages gewidmet, Rosei hat eines der umfangreichsten Werke der neueren Literatur deutscher Sprache geschaffen. Sein schriftstellerisches Debüt hatte Rosei 1972 mit dem Erzählband Landstriche, seinen ersten großen Erfolg 1977 mit dem Roman Wer war Edgar Allan?

Obgleich es durchaus stilistische und motivische Kontinuität erkennen lässt, gliedern deutliche Zäsuren das Werk Peter Roseis. Dominierte in den frühen Publikationen ein nüchterner, protokollarischer Ton, der Gesellschaft wie Natur mit radikalem Pessimismus schilderte – etwa in Entwurf für eine Welt ohne Menschen (1975) –, wich er später einer eher melancholischen bzw. sarkastischen Betrachtungsweise. Zugleich wurden die Bücher auf einen größeren Handlungsspielraum hin angelegt. Mehrfach sind die späteren Bücher Roseis in Zyklen organisiert, wie etwa das 15000-Seelen-Projekt aus den Achtzigerjahren oder auch die Wiener Dateien, beginnend mit dem Roman Wien Metropolis (2005). Darin versucht Rosei die österreichischen Befindlichkeiten in einer globalisierten Welt beispielhaft darzustellen. Seine Philosophie als Künstler hat Rosei in zahlreichen Essays konkretisiert. Vor allem sind hier seine Beiträge zu einer Poesie der Zukunft (1995) sowie Brown vs. Calder: Gedanken zur Dichtkunst (2015) zu nennen. Nebenher hat er als engagierter Zeitgenosse zu den gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Verhältnisse in Österreich und der Welt immer wieder Stellung genommen.

Im Symposium umkreist werden soll vor allem der von Rosei geprägte Begriff einer „erweiterten Poesie“, die neben dem im engeren Sinn Literarischen auch auf andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und der Wissensproduktion ausgreift, genannt seien Ökonomie, Gesellschaftskritik, Politik, Systemtheorie, Komplexitätsforschung. Alle diese Bereiche seines Wirkens sollen in dem Symposium befragt werden und damit auch eine Verbindung zur gesellschaftspolitischen Relevanz von Literatur erprobt werden.

Programm unter: https://www.kunsthausmuerz.at/veranstaltungen/peter-rosei/