Markus Köhle liest aus Land der Zäune.
Wenn aus einem Gartenzaun eine politische Bewegung wird: Markus Köhle liest aus seinem Roman „Land der Zäune” – eine sprachspielerische Satire über Abschottungswahn und gesellschaftliche Engstirnigkeit.
Vom Rückzug zur politischen Vision
Hans Sagmeister hat genug von seinen Mitmenschen. Der niederösterreichische Online-Versandhändler zieht sich in sein Vorstadthäuschen zurück und beginnt, immer höhere Zäune um sein Grundstück zu errichten. Was als persönlicher Schutz beginnt, entwickelt sich zur Obsession – und schließlich zur politischen Idee: Warum nicht ganz Österreich mit Zäunen ordnen? Unterstützt von einer mysteriösen Online-Seelsorgerin (oder ist es ein Chatbot?) gründet Sagmeister eine Bewegung mit einem klaren Ziel: Zaunkanzler werden.
Markus Köhle verarbeitet in seinem Roman „Land der Zäune” (Sonderzahl, 2025) das Sprachmaterial der aktuellen Tagespolitik zu einer satirischen Parabel über Abgrenzung, Überforderung und den Rückzug ins Private. Mit präzisem Wortwitz und literarischer Schärfe zeigt er, wie sich virtuelle Zustimmung und gesellschaftlicher Voyeurismus vermischen.
Satirische Gesellschaftskritik mit Sprachwitz
Der 1975 in Nassereith geborene Autor studierte Germanistik und Romanistik und ist seit über zwei Jahrzehnten als Literat, Literaturkritiker und Poetry Slammer aktiv. 2007 war er Stadtschreiber in Vöcklabruck – ein besonderer Bezug für diese Lesung. Iris Gassenbauer schreibt in den Literarischen Kursen: „Es ist die (überzeichnete?) Rhetorik einiger politischer Zeitgenoss*innen, die hier geradezu beklemmend eindrücklich in Hans Sagmeister zusammensiedet.”
Die Pressestimmen sind einhellig: Katharina Tiwald lobt in Die Presse die „elegante Logik”, mit der Köhle die Zaunrhetorik aufs Korn nimmt. Elias Hirschl nennt das Buch „mit Wortwitz vollgestopft” und sieht die „Festung Europa in die Vorgärten Niederösterreichs verlegt”. Lyrische Einschübe wie eine umgedichtete Bundeshymne oder das Zaun-Glaubensbekenntnis sorgen für schallende Lacher – bei gleichzeitiger Nachdenklichkeit über die Gegenwart.
Die Lesung wird von der ehrenamtlichen Programmgruppe 4840 Kulturakzente kuratiert.
Mehr zu Markus Köhle: www.dum.at
Leseprobe und Rezensionen: Sonderzahl Verlag
Herbert J. Wimmer ist ein genauer Beobachter unseres Alltags und unserer Alltäglichkeit – selbst die Erinnerung und das Erinnern werden als Phänomene unserer Gegenwart bewusst gemacht. Gleichzeitig ist er ein großer Formalist, dessen Texte einem strengen Konstruktionsplan folgen: schon wieder noch nie ist in 13 Abschnitte gegliedert, genannt »quartale«, umfasst also einen Zeitraum von 3 Jahren und 3 Monaten, ein Zeit-Raum der jedoch beim Lesen als gegenwärtiger erlebt wird: »die gegenwart muss nicht gemessen werden, unterteilt werden, in immer kleinere einheiten, gegenwart ist«, wie Wimmer in dem im Anhang des Buches abgedruckten Werkstattgespräch angemerkt hat.
Buchpräsentation Wege (Band 4)
Der vierte Band geht vom Anderen filmischer Fortbewegung aus: von den Wegen als jenen Sphären, die den Ortswechsel und seine Darstellung auf der Leinwand ermöglichen und sichtbar machen. Als Aktanten laufender Bilder zeigen sie zunächst nichts anderes als ihre Oberflächen. Ausgehend von deren sinnlichen Eigenschaften wie Glätte oder Glanz sowie ihrer materiellen Erscheinungsweisen (als Sandige, Steinige oder Wässrige, Schlickige oder Schlammige), wird im ersten Teil des Buches die Oberfläche der Wege als Unterlage der Bewegung erforscht. Im zweiten Teil werden Schienenwege, Landstraßen und Stadtstraßen als Träger filmischer Geschichten systematisiert. Der dritte Teil des vierten Bandes wendet sich schließlich den baulichen Vorrichtungen filmischer Lokomotion zu. Denn auch Gabelungen, Kreuzungen und Netze, Brücken, Türen und Schwellen, Gänge und Flure, Korridore und Galerien erschließen den Artenreichtum der Wege im Kino. (K.S.)
Mit Karl Sierek und Dieter Bandhauer
Freier Eintritt, freiwilliger Solidarbeitrag (1 Euro) zugunsten der Aktion Kulturpass
“Werk Leben”: Lucas Cejpek im Gespräch und Werklesung mit Lydia Mischkulnig
In den Essays, Romanen und Autofiktionen von Lucas Cejpek werden Spracharbeit, Witz und Originalität wirksam. Radio, Film, Literatur, Konzeption, Gedankenspiele, immer ist es das Wissen um Kultur, das unprätentiös mit scheinbaren Alltagsbanalitäten verwoben ist. Persönlich kenne ich Lucas Cejpek noch aus einem Musil-Museum in Klagenfurt Anfang der 1990er Jahre, wo er mit Helmut Eisendle aufgetreten ist. Ich erlebte ihn immer als großzügig und entschieden klar, was für die Literatur unumgänglich ist. Das Gespräch über seine Arbeit möchte ich aufnehmen, weil seine Suchbewegung meiner Vorstellung von Möglichkeitssinn entspricht.
L. Mischkulnig
Lucas Cejpek, *1956; Autor, Regisseur. Zuletzt: Du sieht Gespenster und nichts in der Minibar. Roman (2024).
Lydia Mischkulnig, *1963; Prosa, Essays; Lehrbeauftragte; zuletzt u.a.: Beau Rivage: eine Rückkehr (2025).
Elias Canetti
LITERATUR.GESCHICHTE
Franz Schuh: »Blendung als Lebensform. Zur Aktualität von Elias Canetti« (hg. von B. Kraller; Sonderzahl)
Seit fast einem halben Jahrhundert setzt sich Franz Schuh intensiv mit Elias Canettis Werk auseinander. An diesem Abend spricht er u.a. über Canetti und die Weltlage.
Moderation und Gespräch: Penka Angelova
Gemeinsam mit dem BMEIA und der Internationalen Elias Canetti Gesellschaft
Der international besetzte deutschsprachige Poetry Slam geht in die nächste Runde. Mit dabei sind Slam-Poet:innen aus Belgien, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, der Schweiz und Österreich.
Moderation: Mieze Medusa und Markus Köhle
In Kooperation mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, der Botschaft des Königreichs Belgien, der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, der Botschaft des Fürstentums Liechtenstein, der Botschaft des Großherzogtums Luxemburg und der Schweizerischen Botschaft.
Hans Sagmeister, äußerlich betrachtet ein durchschnittlicher, fast unauffälliger Niederösterreicher, ist enttäuscht von seinen Mitmenschen. Um nicht ständig von seiner überfordernden Umwelt drangsaliert zu werden, zieht er sich sozial immer weiter zurück. Bald schon ist sein Vorstadthäuschen nicht nur ein Refugium, sondern eine regelrechte Trutzburg gegen Nachbarn, die Familie, die eigene Vergangenheit und überhaupt: den Lauf der Welt.
Markus Köhle entwendet das Sprachmaterial der Tagespolitik, um mit erprobtem Wortwitz tief in deren Abgründe und die der dort instrumentalisierten Motive zu blicken. Mit satirischer Exaktheit zeichnet er so das Panorama einer von Überforderung und Engstirnigkeit halluzinierten Welt.
Moderation: Robert Renk
Die Buch Wien Buchhandelslounge – eine Bühne für Bücherleidenschaft. Buchhandlungen aus ganz Österreich präsentieren sich mit zahlreichen Gesprächen mit Autor:innen auf der Buch Wien.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Buchhandlung Wagner’sche in Innsbruck.
»So schnell gehen die Tage zu Ende, dass man vollständig vergessen könnte, wofür es sich lohnt, müde zu werden.« Folgt man den vielfältigen Figuren von Andrea Winklers Erzählungen, dann begibt man sich auf Reisen, die den Blick freimachen für Beobachtungen und Einsichten von grundlegender Bedeutsamkeit. Es sind dabei gerade nicht die lauten Geschehnisse des ringsum rauschenden Alltags, denen ihre Aufmerksamkeit gilt, sondern vermeintlich periphere Momente: Lesend folgen wir Stimmen, die aus dem Trott ihrer Tage ausbrechen und mit unbestechlicher Klarheit auf die Welt blicken.
Moderation: Wolfgang Popp, Ö1